Jubilare auf dem Oktoberfest
Das Oktoberfest in München ist weltweit das
Volksfest der Superlativen.
Aber wer steckt hinter diesem Erfolg?
Einen riesigen Beitrag leisten, neben der Festleitung
und den Wiesnwirten, die vielen Schausteller, Marktleute
und Liferanten. Ausserdem die Behörden und Unternehmen
die für Ordnung und Sicherheit sorgen.
Wir stellen einige der Beteiligten vor. Menschen und
Familien die auf dem diesjährigen Oktoberfest
fast unglaubliche, auf alle Fälle aber runde,
Jubiläen feiern...
Familie Sarcletti
125 Jahre
Eiskultur auf der Wiesn
Seit 1879 kreiert die Familie Sarcletti köstliche
Eis-Spezialitäten für Wiesngänger.
Vor 125 Jahren war Speiseeis in der bayerischen Landeshauptstadt
ein absolutes Novum. Damals kredenzte Peter Sarcletti
(Begründer der Sarcletti-Dynastie) sechs Eis-Sorten
(Vanille, Schokolade, Haselnuss, Waldmeiste, Zitrone
und Erdbeere) an seinem Eis-Wagerl auf dem Oktoberfest.
Das "Gefrorene", wie man das Eis damals
nannte, wurde in Holzfasseln angeboten. Gekühlt
wurde es mit Viehsalz und Roheis, das man zwischen
Holzfassl und Steingutschalen einfüllte und stets
erneuern musste.
Heute betreibt Enkel Otto Sarcletti den modernen Sarclettii-Stand
mit bis zu 25 Eis-Sorten, Schokoherzen, Lebkuchen
und andere Leckereien.
80 Jahre Krinoline
original erhaltene
Nostalgie
Einst benannt nach dem schwingenden Reifrock der feinen
Damen früherer Zeiten, schwingt es noch heuteauf
der Wiesn. Karussells wie die Krinoline gehören
neben den Schaukeln zu den ersten Fahrgeschäften
auf dem Oktoberfest. Diese Karussellart ist mit Vorläufern
aus den 1890er Jahren bekannt, der Name taucht um
1900 auf. Die Konstruktion mit schwankender Plattform
wurde lange Zeit per Hand in Schwung gebracht. Erst
1909 brachten Elektromotoren Fahrgeschäfte dieser
Art in Schwung. Noch mit Muskelkraft betrieben wurde
die Krinoline 1924, als sie erstmalig auf dem Oktoberfest
die Münchner begeisterte. Als um 1937 die Zugspitzbahnen
als Neuheit zur gefährlichen Konkurrenz wurden,
modernisierte Krinoline-Besitzer Michael Grossmann
das Fahrgeschäft mittels elektrischem Antrieb.
Zusätzlich engagierte er eine Blaskapelle, die
die Karussellfahrt mit Stimmungsmusik begleitete.
75 Jahre TÜV
geprüfter
Wiesn-Spaß
Eine "Abnahmebesichtigung zwecks Nachprüfung
der Standfestigkeit der fliegenden Bauten", wie
es im Auftrag von 1929 hiess, führen die TÜV-Ingenieure
auch heute noch durch. Damals erfolgte die Begehung
von nur einem Sachverständigen am Tag vor der
Eröffnung. Heutzutage sind schon Monate vor dem
Start der Wiesn rund 20 Sachverständige mit den
Prüfungen beschäftigt. In der Woche vor
dem Festbieranstich werden dann die High-Tech-Fahrgeschäfte
kontrolliert.
Auf der Wiesn sorgen TÜV-Ingenieure der Fachrichtungen
Maschinenbau, Bauwesen und Elektrotechnik/Elektronik
gemeinsam für den gefahrlosen Fahrspass. Inzwischen
hat die Abteilung Fliegende Bauten der TÜV Industrie
Service GmbH TÜV SÜD Gruppe einen international
anerkannten Ruf und ist weltweit tätig.
70 Jahre Toboggan
nur noch auf dem
Münchner Oktoberfest
Rutschbahnen gab es seit dem frühen 19. Jahrhundert.
1906 baute der Badener Anton Bausch nach Pariser Vorbild
den wahrscheinlich ersten deutschen Toboggan, eine
ursprünglich amerikanische Turmrutschbahn. "Toboggan"
stammt aus der Sprache der kanadischen Algonkin-Indianer,
und bezeichnet einen leichten Schneeschlitten. Auf
dem Oktoberfest 1908 standen drei dieser personalaufwendigen
Toboggans zum Vergnügen der Zuschauer wie der
Rutschenden bereit - die Turmauffahrt der Kunden mittels
Förderband entbehrte nicht der Komik, die sanfte
Rutschfahrt machte Spass. Dem ist noch heute so auf
der Wiesn und dies einmalig in Deutschland. Für
die Reise ist dieses Traditionsgeschäft von Astrid
Konrad nicht mehr rentabel.
Alexander Soinsky
Seit 50
Jahren im Wiesnfieber
"Ich bereue nichts und würde den gleichen
Weg wieder gehen", resümiert Alexander Soinsky
(94). Aus dem zerbombten Dresden verschlug es den
Marktkaufmann Alexander Soinsky (94) mit seiner Familie
nach Niederbayern. 1950 bekam die Familie dann eine
Zuzugsgenehmigung nach München.
1954 erhielt der bekannt und bewährte Marktkaufmann
einen Mastenplatz auf dem Oktoberfest. Luftballons,
Plüschtiere und alles, was Kinder mögen,
gehörten zum Sortiment. Vor sieben Jahren wechselte
Alexander Soinsky das Angebot und bezog einen der
städtischen Stände (Souvenirs). Zusammen
mit Tochter Karin und Schwiegersohn Adolf betreibt
er als Seniorchef weiterhin das Wiesn-Geschäft,
das sein Jungbrunnen ist. Trotz des hohen Alters geniesst
er immer noch das geliebte Oktoberfest und riskiert
bei feschen Trachtenmaderln durchaus noch einen prüfenden
Blick.
Elisabeth Agethen
25 Jahre
Mandeln mit Schuss
Eine erfreuliche Überraschung war es für
Elisabeth Agethen, als sie vor 25 Jahren kurzfristig
die Zulassung für einen Standplatz auf der Wiesn
erhielt. Damit gerechnet hatte sie jedoch nicht mehr
und den eigenen Stand bereits verliehen. Mit viel
Glück konnte sie über Nacht einen neue Bude
organisieren. Ihren gebrannten Mandeln ist Elisabeth
Agethen bis heute treu geblieben. Über die Jahre
hinweg hat sie es geschafft, ihre Brennkunst zu perfektionieren.
Dabei spielt es keine Rolle, welche Nusssorten veredelt
werden sollen. Gab es vor 25 Jahren nur Erdnüsse,
Mandeln und Haselnüsse, reicht das Angebot heute
von Sonnenblumenkernen über Kürbiskerne
bis hin zu Pinienkernen. Das "Wiesnvirus"
ist schon längst auch auf die beiden Töchter
übergesprungen. Manuela hat einen eigenen Spielwarenstand
und Annemarie hilft kräftig im Mandelstand mit.
Eberhard Berberich
25 Jahre
Retter in der Wiesn-Not
Leitungen, Schläuche und Kanister - das ist auf
dem Oktoberfest seit 25 Jahren das Fachgebiet von
Eberhard Berberich. Als Mitarbeiter des Referats für
Gesundheit und Umwelt im Bereich Gesundheitsschutz
kümmert er sich seit 25 Jahren um die Trinkwasserversorgung
und die Trinkwasserbezieher auf der Wiesn. Vom Bierzelt
bis zum Mandelbrenner, alle brauchen Wasser zum Spülen,
zum Händewaschen und zur Lebensmittelzubereitung.
Durch seine genauen Kenntnisse vom Abwassernetz des
Oktoberfestgeländes rettete er auch schon einmal
das Hofbräuzelt vor der sicheren Schliessung
wegen Kanalbruchs.
In einem Jahr geht Eberhard Berberich in Pension und
eins ist sicher - den Wiesnaufbau, bei dem er immer
das Gefühl hatte, Teil einer grossen Familie
zu sein, den wird er vermissen.
Manfred Fleischmann
25 Jahre
Behördenschießen
Als ehemaliger Stadtrat nahm Manfred Fleischmann 1976
am Stadtratsschiessen bei den Armbrustschützen
teil, fand Gefallen an diesem Sport und blieb ehrenamtlich
bis heute der Armbrustschützengilde verbunden.
1979 initierte der ehemalige Gildenschreiber und heutiges
"Mädchen für alles" auf Anregung
der Wiesn-Beschicker das legendäre "Behördenschiessen
auf dem Oktoberfest". Zwei Stunden lang messen
sich jedes Jahr 12 bis 14 Mannschaften aus Behördenvertretern,
Schaustellern und Marktkaufleuten im Armbrustschiessen.
Anneliese und Hermann Haberl
25 Jahre
Wiesn-Wirtsleut
Kurz vor Zapfenstreich am letzten Wiesn-Tag steht
Hermann Haberl auf der Bühne seiner Festhalle,
der Ochsenbraterei, und bläst mit seiner Trompete
der Wiesn das Licht aus. Dieses Ritual wiederholt
der Niederbayer seit er Wirt dieses traditionsreichen
Wiesn-Zeltes ist - seit 1980. Wiesn-Wirtsleut sind
er und seine Frau Annemarie aber schon seit 1979,
als beide- gleichsam zur Krönung einer beispielhaften
Gastronomie-Karriere - Wiesn-Wirte in der Schützenfesthalle
wurden.
Nach einer beispiellosen Gastro-Karriere (u.a. Restauration
und Biergarten am Chinesischen Turm, Michaeligarten,
Drehrestaurant Olympiaturm und Seecafé, u.v.m.)
ist und bleibt die Arbeit auf dem Oktoberfest die
Erfüllung eines Traumes.
Familie Lange
25 Jahre
süße Versuchung
Gleich zwei Generationen der Familie Lange starteten
vor einem Vierteljahrhundert ihre Wiesn-Karriere -
Stanislawa und Norbert Lange Senior mit einem Feinkoststandl,
Monika und Norbert Lange Junior mit einem Mandlstand.
25 Jahre später brennt Stanislava Lange Mandeln
für die Wiesn-Besucher. Heuer rüstige achtzig
Jahre alt geworden, lässt sie sich von Enkelin
Marina Lange unterstützen.
Monika und Norbert Lange sind 1982 auf glasiert Früchte
umgestiegen. Seit drei Jahren gibt es bei der Familie
Lange auch Schokobananen und -Äpfel in Bioqualität.
Ganz besonders g'schleckerte Fans sind übrigens
die Italiener, vor allem die männlichen... "Die
kaufen sich einen Schokospiess und kommen dann noch
fünfmal wieder".
Evzen Petrlik
25 Jahre
Wiesn-Heimat
München ist für Evzen Petrlik zur zweiten
Heimat geworden und das Oktoberfest ist seine grosse
Liebe! Ein erster Besuch des Oktoberfestes bestärkte
den passionierten Biertrinker in seinem Entschluss,
da das süffige Oktoberfestbier als guter Ersatz
für das tschechisches Bier gelten kann - ein
Stück Heimat in der Fremde. 1979 bewarb er sich
mit Speiseeis auf dem Oktoberfest und wurde zugelassen.
Wetterbedingt war seine erste Wiesn ein Fiasko - es
war so kalt, dass er Glühwein verkaufen durfte.
Im nächsten Jahr bewarb er sich mit wetterunabhängen
Souvenirs und Scherzartikel und steht seitdem auf
der Wiesn inmitten von lustigen Plüschtieren
und Scherzartikel aller Art.
Michael Schifferl
25 Jahre
ein Herz für die Wiesn
Die Arbeit mit den süssen Leckereien gefällt
dem gebürtigen Münchner sehr. Viel mehr
als der Schiesswagen, mit dem er 1979 erstmals auf
dem Oktoberfest zugelassen wurde. Nicht nur, weil
er selbst ein Schleckermaul ist, sondern besonders
wegen der freundlichen Kundschaft. Da nimmt der 45jährige
es gern in Kauf, dass das Drücken der Zuckergusstuben
eigentlich Schwerstarbeit. (Die Zuckerschreibkunst
lernte Schaustellersohn Schifferl übrigens bei
einem Konditor.) Schifferl stieg 1998 auf die Herzlmalerei
um, die er sehr kreativ betreibt - Logoherzen und
der Wiesn-Wastl schmücken seine diesjährige
Kollektion. Im Internet können weltweit die Schifferl-Herzen
geordert werden - zum Geburtstag, zur Hochzeit oder
- zu einem Jubiläum.
Helmuth und Monika Simeth
25 Jahre
Andenken mit Charme
Auf Tücher aus Seide setzen Helmuth und Monika
Simeth an ihrem Andenkenstand. "Qualität
ist in und Ramsch out", dieses Fazit können
die Eheleute aus 25 Jahren Wiesn-Erfahrung ziehen.
Mit Unterstützung seiner Frau gelang vor 25 Jahren
mit viel Glück der Einstieg ins Wiesn-Geschäft.
Als geborener Münchner war für Herrn Simeth
die spontane Idee, einen Stand auf dem Oktoberfest
zu haben, nur natürlich. Glücklicherweise
gab es vor 25 Jahren gerade einen Generationenwechsel
auf der Wiesn und deshalb hatte die junge Familie
auf Anhieb einen der begehrten Standplätze ergattern
können.
Waltraud Stark-Röttgen
25 Jahre
Wiesn-Nussparadies
Bereits seit zehn Jahren verfeinert Waltraud Stark-Röttgen
in ihrem Nostalgiewagen insgesamt 13 Nusssorten aus
aller Welt. Ihr Geheimnis für extra knuspriges
Nussvergnügen - Die Mandeln mit wenig Wasser
vorkochen und Zucker nur in Massen verwenden.
Bis zum Mandelbrennen war es jedoch ein langer Weg.
Begonnen hat Frau Stark-Röttgen vor 25 Jahren
auf dem Oktoberfest mit einem Andenkenstand. Drei
Jahre später kam sie durch Zufall zu einem Herzlstand,
bis sie dann endlich vor zehn Jahren eine Wiesn-Zulassung
fürs Mandelbrennen bekam. Damit gründete
sie mit ihren Töchtern Bianca und Daniela eine
Familientradition.
Manfred Zehle
25 Jahre
Fahrvergnügen
Ein eignes Geschäft auf der Wiesn betreibt Manfred
Zehle seit 25 Jahren. Aber Wiesn-Luft geschnuppert
hat er schon als ganz kleiner Bub.
Bereits als Einjähriger begleitete er seine Eltern
1949 auf das "Herbstfest", wo sie einen
Mandelstand betrieben. Die Familie betreibt heute
noch den Musikexpress.1972 erwirbt Manfred ein eignes
Fahrgeschäft, (Round-Up), mit dem er 1979 dann
zum ersten Mal auf der Wiesn zugelassen wurde.
Auch er sammelt seine Erfahrungen mit verschieden
Fahrgeschäften und sorgt seit 1997 mit seinem
Top Spin für Wiesn-Gaudi. Bereits seit 1971 setzt
sich Zehle im Verband der Bayerischen Schausteller
und Marktkaufleute (BLV) (zuletzt als 1. Vorstand)
engagiert und erfolgreich für die Belange seiner
Kolleginnen und Kollegen ein.
Quelle:
Bilder Krinoline

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